Nach 14 Monaten in Berlin gehe ich diese Woche nach Brüssel, um dort am kommenden Montag die Arbeit als Schwedens EU-Botschafter aufzunehmen. Es fühlt sich in vielerlei Hinsicht so an, als ob sich der Kreis schließt, wenn ich meinen vermutlich letzten Auftrag eines langen Berufslebens antrete. Ich werde Berlin vermissen, aber den Wechsel nach Brüssel nicht bereuen.

Wahrscheinlich haben wir alle etwas unterschiedliche Vorstellungen davon, was ein Land zu einem Land macht, in dem man gut leben kann. Für die Meisten ist ein gutes Land wohl ein Platz, wo man sicher und geborgen leben kann, wo wir uns als Menschen entwickeln und uns ein wenig Wohlstand aufbauen können. Einige verbinden mit einem „guten Land“ sehr grundlegende Bedürfnisse – für sie ist es ein Land, in dem man nachts ruhig schlafen kann, weil kein Krieg herrscht. Für andere umfasst der Begriff auch oberflächlichere Dinge – ein gutes Land gewinnt die Fußball-EM oder holt viele Medaillen bei den Olympischen Spielen.

Letzte Woche besuchte ich zusammen mit dem Ersten Vizepräsidenten des Schwedischen Reichstags Baden-Württemberg. Dieser Besuch war Bestandteil eines Erfahrungsaustausches zwischen diesem wichtigen Bundesland und Schweden zur Aufnahme von Flüchtlingen.

Schweden kandidiert für einen Platz im UN-Sicherheitsrat für die Periode 2017-2018. Die Wahl findet im Juni dieses Jahres in der Generalversammlung statt und drei Länder – neben Schweden auch die Niederlande und Italien – kämpfen um zwei Plätze in der Gruppe „Westeuropa und andere Staaten“.

Mit diesen Worten wurde ich bei einem meiner Antrittsbesuche von einem hohen Regierungsbeamten begrüßt. Nach einem knappen Monat als schwedischer Botschafter in Berlin kann ich sagen, dass er Recht hatte. Selten war wohl die politische Dramatik in Deutschland größer als in den letzten Monaten.