Johan Rockström

Johan Rockström, Foto: M. Axelsson/Azote

Warum fliehen Menschen aus Syrien?

Dumme Frage, könnte man meinen. Wissen doch alle, dass das verheerende Vorgehen von Präsident Assad zusammen mit den rücksichtslosen Angriffen des IS auf Zivilisten dem Land schon lange zusetzen. Für viele Menschen in Syrien geht es ums blanke Überleben.

Aber als Johan Rockström, schwedischer Professor für Umweltwissenschaft, am vergangenen Sonntag den renommierten Deutschen Umweltpreis aus den Händen von Bundespräsident Gauck entgegennahm, betrachtete er die Flüchtlingssituation in einem längerfristigen Kontext. Vor ungefähr fünf Jahren wurde die Trockenheit in Syrien immer unerträglicher. Millionen Menschen konnten sich von der Landwirtschaft nicht mehr ernähren und zogen in die großen Städte, um zu überleben. Mit der Zeit entstanden dadurch Spannungen in einem Land, dessen Ökonomie durch viele Jahre diktatorischer Misswirtschaft ausgezehrt war.

Als der ländliche Raum durch die Trockenheit verarmte und das Leben in den Städten durch Spannungen und Bombardierungen vergiftet wurde, verschwand nach und nach auch der Anreiz, in Syrien zu bleiben. Und so führte der Weg von Millionen Syrern in Flüchtlingslager oder in ein anderes heimatloses Dasein in den Nachbarländern und nun nach Europa.

Für Johan Rockström ist das nur eines von vielen Beispielen dafür, wie die Gefahren des Klimawandels auch zu einem Sicherheitsrisiko für die Menschen werden. Es besteht die Gefahr neuer Völkerwanderungen aus Gebieten, in denen der Boden nicht mehr in der Lage ist, die Bevölkerung, die Jahrtausende von ihm gelebt hat, zu ernähren.

Johan Rockström bezeichnet die bevorstehende UN-Klimakonferenz in Paris als die vielleicht wichtigste internationale Konferenz aller Zeiten. Wir können die Entwicklung umkehren. Seit einem Jahr übersteigen die weltweiten Investitionen in die Gewinnung erneuerbarer Energien die für neue Nutzungsmöglichkeiten fossiler Brennstoffe. Das ist ein wichtiger Trendbruch.

Die von den meisten UN-Mitgliedstaaten im Vorfeld von Paris vorgelegten Pläne zur Emissionsreduktion zeigen, dass wir dem Klimawandel die Stirn bieten können. Dazu muss allerdings das, was in den verschiedenen Hauptstädten aufs Papier gebracht wurde, auch in die Tat umgesetzt werden. Aus Erfahrung wissen wir, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Deutschland und Schweden haben die Möglichkeit, zwei der Länder zu sein, die bei der Lösung der Klimaprobleme eine führende Rolle spielen.

Zurzeit sind alle Augen auf die Flüchtlingskrise gerichtet. Für dieses Problem brauchen wir schnellstmöglich eine Lösung. Doch ein Teil dieser Lösung muss darin bestehen, langfristige Maßnahmen zu ergreifen, die es den Menschen gestatten, sich in ihren Heimatländern zu versorgen. Deshalb ist die Konferenz in Paris nicht nur eine Klimakonferenz sondern auch eine Flüchtlingskonferenz.